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                                                        Praxis, Seminar- und Forschungsstätte für die Psychotherapie mit dem Pferd   

 

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                                                                       In Vorbereitung (September 2018):

Pilotstudie zu spezifischen Wirkfaktoren in der „Psychotherapie mit dem Pferd“

 Kooperationsbereite PsychotherapeutInnen und PatientInnen gesucht !!!

s. "Aktuelles" !! 

 

                                                  

                                                                     Heinrich Kirchner, "Die Schöpfung"

 

Eine auf einen Zeitraum von sechs Jahren hin angelegte Studie wurde 2005 von uns entworfen, das Forschungskonzept seither veröffentlicht und zahlreichen universitären Einrichtungen, Stiftungen etc. eingereicht. Diese Studie konnte allerdings leider wegen fehlender finanzieller Mittel nicht realisiert werden. (s.unten)

Verweisen möchten wir an dieser Stelle auf die Wiener Forschungsgruppe "Equitherapie", die in Kooperation mit dem Verein e.motion unter der Leitung von Mag. Roswitha Zink und der universitären Leitung von Prof. Dr. Thomas Stephenson, S. Freud Universität Wien, eine ähnliche Studie zur "Erhebung nonverbaler Kommunikationsmuster zwischen Pferd und Mensch mittels Videoanalyse" durchführte. Erste Publikationen unter www.pferd-emotion.at

Dokumentiert wurde diese wertvolle Arbeit - basierend auf den Vorstellungen psychoanalytischer Pädagogik - durch die ARTE und HR TV-Produktion "Die heilende Sprache der Pferde" (2011). Ein Mitschnitt ist gegen eine Gebühr zu beziehen bei:

SWR Media GmbH D-76522 BADEN-BADEN Tel: +49 7221/929-25000 E-Mail: mitschnitt@swr.de

                                

Konzept der "Kroeder" Studie  von 2005:

Die emotionale Intelligenz des Pferdes - Untersuchung zur Beziehungskompetenz von Pferden im Kontext ihres Einsatzes in der psychotherapeutischen Behandlung seelisch erkrankter Menschen

Als Initiatorinnen sind wir gleichermaßen an der psychotherapeutischen Praxis – mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen - wie an einer gründlichen Evaluation und Wirksamkeitsforschung innerhalb dieses Ansatzes interessiert. Die Erarbeitung professioneller Standards und Qualitätskriterien für die Aus- und Weiterbildung von Multiplikatoren, vor allem hinsichtlich der komplexen Wahrnehmungs- und Beziehungsarbeit mit den Therapiepferden ist ebenfalls ein wesentliches Anliegen. Seit 2001 findet ein regelmäßiger, wissenschaftlicher Austausch in einem von uns mit begründeten, international zusammengesetzten Arbeitskreis (Fachgruppe Arbeit mit dem Pferd in der Psychotherapie – Link: www.fapp.net) statt. Die praktische Arbeit wird ergänzt durch Vortrags- und Lehrtätigkeit (z.B. 2. Europäischer Kongress „Das Pferd in Psychiatrie und Psychotherapie" München 1998, Schweizerische Vereinigung für Heilpädagogisches Reiten), erste Publikationen erschienen im Februar 2005 „Das Pferd in der Psychotherapie – Beiträge aus der Praxis" Hrsg. FAPP und Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten; "Psychotherapie mithilfe von Pferden - Eine tragende Beziehung" Deutsches Ärzteblatt PP 10 /2005 sowie "Erziehung und Entwicklungsförderung oder Psychotherapie seelischer Erkrankung? Versuch einer wertschätzenden Unterscheidung von heilpädagogischer und psychotherapeutischer Arbeit mit dem Pferd" Überarbeitete Fassung des Vortrags vom 12.04.08 in Wien Internationaler Kongress „Mensch und Pferd im Dialog“) Birgit Heintz.  

Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation

Die Rekonstruktion von Therapieverläufen anhand schriftlicher Stundenprotokolle und üblicher Dokumentation hat den Nachteil, daß vieles von dem, was nicht-sprachlich repräsentiert war, verloren gehen kann. Wir beabsichtigen neben dem Einsatz standardisierter Evaluations- instrumente für die Therapieverläufe Langzeitbeobachtungen und –studien mittels Videotechnik. Die Verhaltensbeobachtung der Pferde ist, vergleichbar mit der modernen Säuglingsbeobachtung, deduktiv bzw. prospektiv angelegt. Wir erwarten aus den Detailstudien des vorhandenen Filmmaterials „Antworten", aus denen sich Hypothesen zur Interaktion, zur nonverbalen Kommunikation und zu vermutenden, heilsam wirkenden „Beziehungsangeboten" zwischen Pferd und PatientIn bzw. Pferd und TherapeutIn ableiten lassen.*)

*) Beispiel: Ein Therapiepferd, das selbst die Augen schließt und eine verlangsamte, tiefe Atmung zeigt, während die Patientin auf seinem Rücken sitzend einen Baum, seine Krone und seine Wurzeln imaginiert, reagiert damit auf den inneren Zustand und Prozess der Patientin. Filmisch festgehalten, ist das Verhalten des Pferdes als Reaktion – vor allem im Konteext dr therapeutischen Intervention und des Erlebens der Patientin - sichtbar und nachweisbar. Als erzähltes kleines Ereignis löst eine solche Schilderung bei Skeptikern allenfalls ein mildes Lächeln aus.

Problembeschreibung

Positive Wirkungen des Pferdes auf die psychische Befindlichkeit des Menschen in psychotherapeutischen Prozessen sind „bekannt" - aber kaum untersucht. Überhaupt nicht untersucht wurde bisher, in welcher Weise, womit und wie das Pferd – wenn etwas von seinem Wesen auf die Seele der Menschen wirkt – diese Wirkungen evoziert. Die Phänomene der postulierten Wirksamkeit im psychotherapeutischen Kontext sind äußerst schwer zu beschreiben; ein Nachweis unter heute gültigen und nachvollziehbaren wissenschaftlichen Kriterien steht noch aus. Es gibt unseres Wissens nur sehr wenige Studien zu nicht körperlichen, d.h. über physiologische, anatomische, den menschlichen Bewegungsapparat hinausgehende Wirkungen des Pferdes auf den Menschen. Das zu untersuchende Feld – es geht um die gegenseitige Wirkung zweier höchst komplexer, lebendiger Systeme, ihre Interaktion und Kommunikation - ist zudem über physikalische Einheiten (Messen, Wiegen, Schätzen) nicht zu erfassen, so dass in diesem Falle ein reduktionistisch-wissenschaftlicher Ansatz mit Ausschluß von Komplexität und Verkleinerung des Systems, um besser beobachten zu können, versagt. Es soll daher versucht werden, einen Untersuchungsansatz zu finden, der diesen komplexen Anforderungen gerecht wird, wobei keine quantifizierbaren Ergebnisse, wohl aber möglichst detailgenaue, qualitative Beschreibungen erwartet werden.

„State of the Art" auf dem Gebiet

Zur Theoriebildung der Psychotherapie mit dem Medium Pferd lassen sich zwei historische Entwicklungslinien erkennen: Zum einen die „Animal-Assisted Therapy" (AAT) mit Beginn in den 60er Jahren im angloamerikanischen Raum, später auch unter dem Begriff der „tiergestützten Therapie" (Greiffenhagen, 1991, S. 30) in Deutschland bekannt – zum anderen das Therapeutische Reiten, das sowohl im deutschsprachigen als auch im angloamerikanischen Raum eine längere Tradition seit den siebziger Jahren hat. Während nach Strauß (1999, S. 16) „keine physiotherapeutische Methode so eingehend untersucht ist wie die Hippotherapie", liegen nach Papke (1997) „im Bereich des Heilpädagigischen Reitens / Voltigierens und der Arbeit mit dem Pferd in Psychiatrie und Psychotherapie ´vereinzelte` (Hervorh. V. Verf.) Untersuchungen zum Nachweis psychomotorischer, emotionaler und sozialer Effekte bzw. Verhaltensänderungen innerhalb und außerhalb der Therapiesituation" vor. Von 1991 bis 1995 wurden im Rahmen eines stationären Settings im BKH Haar bei München vier experimentelle Studien zum Therapeutischen Reiten als ergänzende Behandlung bei chronisch schizophrenen Patienten durchgeführt. Sehr verkürzt zusammengefasst konnten folgende statistisch signifikanten Ergebnisse im Vergleich zu einer Kontrollgruppe gefunden werden: Verbesserung des gesamten psychopathologischen Befundes (gemessen mit der Brief Psychiatry Rating Scale BPRS), Verbesserung der Alogie und der Aufmerksamkeit (gemessen mit SANS zur Beurteilung der Minussymptomatik), tendenzielle Verbesserung der Selbständigkeit, gemessen an der späteren Wohnsituation und Verbesserung der subjektiven Befindlichkeit (im Anschluß an die Therapieeinheit, gemessen mit der Befindlichkeitsskala BF-S nach v. Zerssen). (Quelle: Scheidhacker, M. 1998b) Seit Mai 2001 wird eine über fünf Jahre dauernde Langzeitevaluationsstudie durchgeführt, die die Wirksamkeit von heilpädagogischem Voltigieren / Reiten bei autistischen Kindern überprüfen soll. (Pickartz&Schulz, 2002). Wirksamkeitsstudien zur eigentlichen Psychotherapie mit dem Pferd stehen auf Grund der Schwierigkeit der Beschreibung, der Untersuchung und des Wirksamkeitsnachweises noch aus. Erschwerend kommt außerdem die Notwendigkeit einer Dreifachqualifikation der behandelnden Therapeutinnen und Therapeuten hinzu (medizinisches oder psychologisches Grundstudium, Psychotherapieausbildung und hippologisches Fachwissen/Reitkenntnisse). Dennoch wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Praxisberichte und Einzelfalluntersuchungen veröffentlicht. („Die Arbeit mit dem Pferd in Psychiatrie und Psychotherapie", Sonderheft Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten; „Ich träumte von einem weisen Schimmel, der mir den Weg zeigte…" W. Bender u. M. Scheidhacker; „Psychotherapie mit dem Pferd – Beiträge aus der Praxis"; Hrsg. FAPP und DKTHR 2005)

All diesen Studien ist jedoch gemeinsam, dass sie sich ausschließlich auf den Menschen konzentrieren; in keiner der Studien wird die Interaktion und Kommunikation zwischen Pferd und Mensch, und in keiner der Studien wird die diesbezügliche Kompetenz des Pferdes untersucht.

Die moderne Säuglingsforschung ist mit ihren Ansätzen (hier v. a. der Einsatz von Videotechnik zur Analyse realer Phänomene) unserer Frage und unserer Problemstellung noch am ehesten verwandt a) im Hinblick auf die Erforschung der Interaktion zweier komplexer, lebendiger Systeme, von denen das eine nicht-verbal bzw. vorsprachlich kommuniziert, b) dem offenen, fragenden Blick auf die Kompetenz des Säuglings.

Vorgängige Aktivitäten der Therapeutinnen

Dr. med. Marika Weiger * 1960

Ärztin und Psychotherapeutin, Aus- u. Weiterbildung in verschiedenen somatischen und psychotherapeutischen Verfahren. Balintgruppenleiterin (BLÄK), Reitwart (FN), Reitpädagogin (DKTHR). Seit frühester Kindheit aktive Reiterin mit Erfolgen in Dressur-, Spring- und Militaryprüfungen bis Kl. M; später Umstieg auf Islandpferde, hier Erfolge in Gangpferde- und Rennpassprüfungen. Seit 1996 Psychosomatisch-Psychotherapeutische Praxis mit integrativem Ansatz in Pfarrkirchen nach Tätigkeit in einem Forschungsprojekt der Deutschen Krebshilfe und als leitende Oberärztin an einer Rehaklinik für Psychosomatik und Ganzheitsmedizin. Publikationen: Zahlreiche Veröffentlichungen zur Untersuchung unkonventioneller Verfahren in der Onkologie, u.a. Unkonventionelle Methoden in der Onkologie. Hilfe oder Risiko für Krebskranke? Münch. Med. Wschr. 1992; 134 Nr. 47; Ernährung bei Krebs, Gräfe und Unzer 2000; Pferde – Wegbegleiter aus der Depression in: Psychotherapie mit dem Pferd – Beiträge aus der Praxis, Hrsg. FAPP und DKTHR 2005

Birgit Heintz * 1957

Psychoanalytikerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Lehranalytikerin und Dozentin C. G. Jung Institute Zürich und München. Psychotherapeutische Tätigkeit in eigener Praxis seit 1992 u. in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Lübeck. Entwicklung und Konzeption eines Nachbehandlungsmodells für zuvor stationär untergebrachte PatientInnen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen auf dem Steinbachhof, Südschwarzwald. Förderung der psychotherapeutischen Arbeit mit dem Pferd in diesem Rahmen durch die Stiftung f. Bildung und Behindertenförderung (R.Bosch) Stuttgart. Seit dem 12. Lj. aktive Reiterin, schwerpunktmäßig Ausbildung junger Pferde nach den Grundsätzen der Klassischen Reitlehre mit Spring-, Dressur- und Vielseitigeitserfolgen bis Kl.L. Reitwart (FN), Trainer B (DSB) Publikationen: Das Pferd in der Kinderpsychotherapie – Eine tragende Beziehung im Spiegel von Kinderzeichnungen, Sandbildern und spieltherapeutischen Prozessen, Diplomthesis C. G. Jung – Institut Zürich 1996; Lucia – Therapie einer Jugendlichen mit Posttraumatischem Belastungssyndrom in: Psychotherapie mit dem Pferd – Beiträge aus der Praxis, Hrsg. FAPP und DKTHR 2005

Hypothesen, Offene Fragen, Ziel des Projekts

Die wesentliche Hypothese ist:

Pferde evozieren positive Wirkungen auf die psychische bzw. leib-seelische Gesamtbefindlichkeit von Menschen in psychotherapeutischen Prozessen. Diese Wirkungen sind nicht zufällig sondern basieren auf spezifischen Wesenseigenschaften, Fähigkeiten und beobachtbaren Beziehungsangeboten der Pferde.

Offene Fragen:

Gibt es B E Z I E H U N G (aktives Aufeinander-Bezogen-Sein) zwischen Pferd, PatientIn und TherapeutIn?

 Wenn ja, lässt sie sich beobachten?  Gibt es Nachweissysteme?  Sind besondere Verhaltensweisen und – qualitäten der Pferde zu beobachten?

Nehmen Pferde die psychische Befindlichkeit der Patienten wahr ? Reagieren sie auf die psychische Befindlichkeit der PatientInnen, „beantworten" sie sie?

        Gibt es Anzeichen dafür? Übernehmen sie Symptome? Gibt es wahrnehmbare "Resonanzphänomene" ?

Gibt es Hinweise auf katalysierende Wirkungen durch die Anwesenheit von Pferden in psychotherapeutischen Prozessen?

 

Ziel des Projekts ist es, einen Untersuchungsansatz zu finden und zu erproben, der dazu dient, Antworten auf diese Fragen zu finden. Nachweisbare Erkenntnisse im Bereich „emotionaler" – und möglicher Beziehungskompetenz und –intelligenz von Pferden wären von großer Bedeutung im Hinblick auf die wissenschaftliche Fundierung ihrer Einbeziehung in bereits evaluierte psychotherapeutische Verfahren.

Über einen Zeitraum von 5 Jahren werden ca. 30 Therapieverläufe mit integriertem Setting, d.h. tiefenpsychologisch fundierte / analytische Psychotherapie und Psychotherapie mit dem Pferd in den Sequenzen der Arbeit mit dem Pferd durch Videoaufnahmen dokumentiert und fortlaufend evaluiert. Im sechsten Jahr wird die Videoanalyse abgeschlossen und das Material im Sinne der o. g. Fragen ausgewertet.

Internationale Kooperation

Eine Kooperation mit der Universität Wien, Prof. R. van den Hoven vet. med. Fakultät ist angedacht; dort wird ein Diplom-Studiengang zur Mensch-Tier Beziehung geplant.

Mit österreichischen Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls Pferde psychotherapeutisch einsetzen, ist ein engerer und regelmäßiger fachlicher Austausch geplant.

Die Fortbildung von Multiplikatoren ist ebenfalls für österreichische Kollegen geöffnet. Insbesondere ist hier eine Kooperation mit den Salzburger Ausbildungsinstituten und der österreichischen C.G. Jung Gesellschaft denkbar.

Bedeutung des Projekts aus hippologischer Sicht

Nach dem Ende des militärischen Einsatzes von Pferden in den letzten Kriegen und nach dem Verschwinden von Pferden aus der Landwirtschaft stellte sich die Pferdezucht auf das neue Ziel des „Sportpferdes" ein. Zucht und Pferdesport erfuhren einen wahren Boom, jedoch auch eine ständig zunehmende Kommerzialisierung und Leistungsorientierung; der Wert eines Pferdes wurde und wird anhand seiner Erfolge und Gewinnsummen bemessen. In den letzten Jahren erleben wir einen erneuten Paradigmenwechsel in der Reiterei; die Zahl der ReitausweisinhaberInnen und sportorientierten Reiter nimmt ab, die Zahl der Wander- und Freizeitreiter wächst. Nach dem Dienst als Soldatenpferd und Partner im Sport wird nun das Pferd auf nochmal andere Weise vom Menschen gebraucht – als Freizeit- und Lebenspartner, weg von der Selbstdarstellung hin zur Selbsterfahrung. Diese Reiter lehnen „zum Wohle des Pferdes" Sport und Leistungsbetonung häufig ab und wissen oft nicht um die Notwendigkeit gymnastizierender Ausbildung des Pferdes, das sie tragen soll. Mitunter entziehen sie sich der Verpflichtung, hippologisches Fachwissen und hinreichende Reitkenntnisse zu erwerben. Die Folge – Pferde werden „schwierig" und entwickeln „Unarten". Pferdeflüsterer und -verhaltenstherapeuten sprießen aus dem Boden, „Gurus", die aus dem Management der vermeintlichen Schwierigkeiten und Defizite – der Verweigerung der Pferde unfachlicher Behandlung gegenüber - wieder Kapital schlagen.

Wie können wir den Pferden in unserer heutigen Welt einen guten Ort, ihrem Wesen und ihrer Natur adaequate Aufgaben und eine Daseinsberechtigung bewahren, bei der sie ihre Potenziale entfalten und dem Menschen vielleicht etwas von dem geben und schenken können, was er wirklich in der Tiefe sucht? Wie kann dies geschehen, ohne dass Pferde im Sport überfordert, verletzt, narzisstisch missbraucht, aus Ehrgeiz und Unkenntnis gequält oder auch unqualifiziert idealisiert werden?

Die hier vorgelegte Studie zielt auf die Kompetenz der Pferde in einem Bereich, der aus dem Bewusstsein der Menschen verlorengegangen ist oder zumindest verlorenzugehen droht, wenngleich die eigentliche Sehnsucht nach dem "höchsten Glück auf Erden" wahrscheinlich genau dieses meint: nicht nur die Erfüllung der reiterlichen Anforderung an den Menschen, sich einzufühlen in das Pferd, sondern die Fähigkeit des Pferdes, sich einzufühlen in den Menschen. Auf die Beziehung zu den Pferden ist die eigentliche, tiefe Sehnsucht der Menschen gerichtet und darauf, mit ihrer Freundschaft und ihrem Vertrauen auch ihre Seelennähe zu gewinnen.  Kinderfilme und Jugendromane zeugen davon, aber auch Reiterinnen und Reiter, deren Pferde zu sportlichen Höchstleistungen bereit waren, kennen diese Erfahrung absoluten, gegenseitigen Vertrauens.

Ein genauerer Blick auf die Beziehungsangebote und die „emotionale Kompetenz" der Pferde im psychotherapeutischen Kontext will jedoch nicht ihre „Mystifizierung" sondern fundierte Aussagen zu beobachtbaren Phänomenen unter anerkannten wissenschaftlichen Kriterien - mit dem Ziel, das Wissen um diese Qualitäten und Potenziale wieder vermehrt in das Wissen und das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen und diesen Potenzialen Achtung und Wertschätzung zu erweisen. Neben der Bedeutung eines solchen Wirksamkeitsnachweises für die Psychotherapie und die psychotherapeutische Fachöffentlichkeit könnte eine differenziertere Berücksichtigung psychischer und mentaler Gegebenheiten auch in der Ausbildung von Reitern und Pferden generell dazu dienen, das gegenseitige „Einfühlen" und die Sensibilität des Reiters für die Psyche des Pferdes zu verfeinern.