Mit der Studie „Ins Pferd hineingehorcht“ nähern wir uns einem Forschungsfeld, das sich einer objektivierenden Erfassung weitgehend entzieht: dem emotionalen und empathischen Repertoire von Pferden, wie es sich im intersubjektiven Beziehungsgeschehen zwischen Menschen und Pferden manifestiert und dort unter anderem als zentraler Wirkfaktor therapeutischer und pädagogischer Prozesse bedeutsam wird. Anstatt dieses Geschehen von außen zu operationalisieren, wählten wir einen bewusst subjektivierenden Zugang: Die empirische Grundlage bilden (bisher) 185 Einzelerfahrungen, die als situativ eingebettete, leiblich vermittelte Wahrnehmungen verstanden werden. Die Entscheidung, die individuellen Wahrnehmungen der beteiligten Menschen als zentrales Erkenntnisinstrument zu nutzen, impliziert, dass diese gleichermaßen die Beforschten wie auch die Forschenden sind. Sie beschreiben und reflektieren ein Beziehungsgeschehen, an dem sie selbst konstitutiv teilhaben und als dessen Teil auch wir, zwar mit professionell geschultem Blick, aber doch unseren ganz persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen, das Material betrachten und zu verstehen versuchen.
Die vorliegenden, meist sehr differenzierten Beantwortungen – zu einem hohen Prozentsatz aus den Reihen des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten (DKThR) – haben uns nachhaltig berührt und bewegt. Wir freuen uns sehr über die Unterstützung und die erste Berichterstattung im angehängten Beitrag. (Bitte hier anklicken!)
In einer zweiten Phase wird dieser subjektivierende Zugang durch eine methodische Perspektiverweiterung ergänzt. Mittels mikroanalytischer Auswertung von Videodokumentationen kurzer, standardisierter Pferdebegegnungen wird das Interaktionsgeschehen durch ein anderes Medium betrachtet, das eine detailgenaue, sequenzielle und überprüfbare Analyse ermöglicht. Die Auswertung erfolgt ab Wintersemester 2026/27 in drei Expertengruppen (s. Beitrag DKThR!) und orientiert sich an einem tiefenhermeneutischen Forschungsansatz, der nicht nur manifestes Verhalten, sondern auch latente Sinnstrukturen und affektive Dynamiken erschließen soll. Auf diese Weise entsteht eine methodische Verschränkung zweier Zugänge: einer erfahrungsnahen, „von innen“ gewonnenen Perspektive und einer differenzierenden, „von außen“ rekonstruierenden Analyse. Beide sind nicht als Gegensatz, sondern als komplementäre Modi der Erkenntnis zu verstehen, die gemeinsam der leitenden Fragestellung nachgehen: Wie gestaltet sich die Interaktion, welche emotionalen Äußerungen lassen sich seitens der Pferde erkennen, wie gehen Mensch und Pferd empathisch aufeinander ein?
Vor wenigen Wochen haben wir bereits die ersten Pferdebegegnungen gefilmt und teilweise ist unser Equipment an weiter entfernte ProtagonistInnen verschickt. Derzeit arbeiten wir an einem Manuskript für die Publikation der ersten Ergebnisse aus Phase 1 und ihrer theoretischen Einordnung.