An dieser Stelle möchten wir die Auswertung der Online-Umfrage und Interviews der ersten Phase unseres aktuellen Forschungsprojekts vor allem den zahlreichen StudienteilnehmerInnen mit großem Dank zur Verfügung stellen. Ein zusammenfassender Beitrag wird voraussichtlich im kommenden DKThR Magazin 2 / 2026 erscheinen. Neben Heuernte, Hofaufgaben, Praxis- und Lehrtätigkeit befinden wir uns seit einigen Wochen bereits intensiv in den Vorbereitungen der zweiten Phase, die ab Wintersemester 2026/27 in Kooperation mit verschiedenen Universitäten geplant ist; weitere Updates folgen!
Abstract
Die Studie ´Ins Pferd hineingehorcht´ nähert sich der Frage nach dem emotionalen Repertoire und den empathischen Fähigkeiten von Pferden über einen bewusst subjektivierenden Zugang. Die empirische Grundlage bilden 187 Einzelerfahrungen aus Onlineumfrage-Antworten und leitfadengestützten Interviews, vorwiegend von StudienteilnehmerInnen aus dem pädagogisch-therapeutischen Bereich.
Die inhaltsanalytische Auswertung von Interviews und Umfragebeantwortungen verweist auf eine bemerkenswerte Vielfalt der wahrgenommenen emotionalen Zustände der Pferde durch die mit ihnen verbundenen Menschen: von Zufriedenheit, Neugier, Mut, (Spiel-) Freude, Ärger und Angst bis hin zu differenzierten sozialen Emotionen wie Fürsorge, Vertrauen, Zuneigung und Trauer. Entscheidend ist dabei die differenzierte Beobachtung verkörperter Ausdrucksformen – etwa in Blick, Ohrenspiel, Muskeltonus, Bewegung und Interaktionsdynamik. Theoretisch lassen sich die erhobenen Befunde sowohl in die affektive Neurowissenschaft Jaak Panksepps als auch Frans de Waals Konzepte zur Empathie als evolutionäres Kontinuum einordnen. In einer zweiten Phase des Projekts sollen Pferd-Mensch-Interaktionen in kurzen, videodokumentierten Begegnungen einer kleineren Anzahl von StudienteilnehmerInnen sichtbar gemacht und ab Herbst 2026 in drei unterschiedlich zusammengesetzten ExpertInnengruppen mikroanalytisch / tiefenhermeneutisch ausgewertet werden. Die phänomenologisch ausgerichtete Studie liefert innovative methodische Impulse für die qualitative Erforschung tierlicher Emotionen und arten-übergreifender Empathie. Sie versteht sich darüber hinaus als Beitrag zu einer relationalen Ethik der Beziehung zwischen Mensch und Pferd.