Update zur zweiten Studie „Pferdegestützte Psychotherapie“

Unterdessen nehmen acht Patientinnen und sieben Therapeutinnen an unserer zweiten Studie zur pferdegestützten Psychotherapie teil, zwei von ihnen haben gerade kürzlich begonnen. (Studienkonzept hier!)

Es liegen bereits etwa 60 Std. Videodokumentation der Therapiestunden mit / bei den Pferden sowie etwa 15 Std. Videoaufzeichnung der Verlaufsinterviews mit den Psychotherapeutinnen vor. Dieses Material wird von uns (Dr. M. Weiger und B.Heintz) fortlaufend mehrfach gesichtet, diskutiert und evaluiert; besonders essentielle Sequenzen werden mit Gegenüberstellungen von Ausschnitten aus den Therapeutinneninterviews herausgefiltert und in regelmäßigen Zoom – Konferenzen mit dem erweiterten Forschungsteam der SFU Linz (Agnes Stephenson, Prof. Dr. Stephenson, Prof. Dr. Carlos Watzka et al.) ausgetauscht. Vor diesem Hintergrund ergibt sich eine „rollende“ Planung, in einem sich inhaltlich und forschungsmethodisch stets verfeinernden Prozess.

Mitte März waren im Rahmen einer Klausurtagung auch die beteiligten Psychotherapeutinnen an die SFU Linz bzw. im Hybridformat eingeladen, erste Ergebnisse zu den „Fragen, auf die unsere Studie Antworten gibt“ auszutauschen. Unser Fokus liegt vor allem auf besonders intensiv erlebten Resonanzmomenten zwischen den Pferden und den Patient*innen sowie deren Auswirkungen auf den Therapieverlauf.

Am 25. Februar 2022 präsentierten wir vorläufige Ergebnisse und den aktuellen Stand auf dem Forschungstag der SFU Linz.

Während der Begegnungen mit den Pferden in ihrer natürlichen Umgebung verlassen beide Therapiepartner, meist in phasen- oder stundenweisem Wechsel, die gewohnte Situation des ´über etwas – oft Vergangenes – Sprechens´. Sie begeben sich in ein gemeinsames Erleben von Gegenwart, in der sich die inneren Themen der Patient-/in mit dem nun hinzukommenden, hoch sensitiven und responsiven Lebewesen Pferd meist konstellieren und aktualisieren. Im intersubjektiven Kontakt mit dem Pferd treten der nonverbale Bereich und das ´implizite Wissen´ in den Vordergrund (vgl. Stern, D., Der Gegenwartsmoment – Veränderungsprozesse in Psychoanalyse, Psychotherapie und Alltag, S.123 ff). Therapeutin und Patientin befinden sich in einem emotional hoch aufgeladenen Feld, in dem sich Gegenwartsmomente quasi verdichtet ereignen, wobei „der Gegenwartsmoment – auch noch als ein in Worte gefasster – eine ´Welt in einem Sandkorn´ ist“ (ebd. S.146).  Das Reflektieren und Versprachlichen dieser gemeinsam erlebten Momente vertieft potenziell die therapeutische Beziehung und intensiviert Erkenntnisprozesse durch erlebte Erfahrung.

Im Kontext der Studie ergibt sich darüber hinaus die zusätzliche Möglichkeit, auch das Videomaterial in die therapeutische Bearbeitung einzubeziehen, wobei die gemeinsame Reflexion mit dem Forschungsteam – so die Rückmeldungen der bisher beteiligten Kolleginnen – die eigene Wahrnehmung nochmals sensibilisiert und die Therapieprozesse mitunter sehr bereichert.

Wir sind dankbar und glücklich über die hoch engagierte und empathische Begleitung der Linzer Kolleg*innen!

!! Nach wie vor freuen wir uns über weitere, teilnahmebereite Psychotherapeut*innen !!

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